Diversity

Diversity heißt nicht nur Vielfalt, sondern ist auch ein soziologisches Konzept. Diversity ist also auf der einen Seite die Unterscheidung und Anerkennung von Gruppen- und individuellen Merkmalen, auf der anderen Seite aber auch ein Ansatz  für die Herstellung von Chancengleichheit von Gruppen, die nach bestimmten Merkmalen benachteiligt werden.

Vielfalt überall ...
Vielfalt ist natürlich.

Darwin's_finchesSchauen wir in die Natur entdecken wir eine riesige Vielfalt an Lebewesen. Selbst die Lebewesen einer Art sind niemals gleich, auch hier gibt es immer eine Vielfalt von Erscheinungsformen. Variabilität, von lat. varia (bunt, vielfältig), bezeichnet allgemein dieses Veränderlichsein von Individuen einer Art.

Auch bei den Menschen gibt es ganz natürlich eine riesige Vielfalt. Dabei gibt es Vielfalt nicht nur in den mannigfachen Unterschieden unseres Aussehens, oder der verschiedenen Identitäten und Kulturen innerhalb der menschlichen Gruppen und Gesellschaften, sondern auch innerhalb jedes Individuums.

Die Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt der Vereinten Nationen postuliert, dass kulturelle Vielfalt – als Quelle des Austauschs, der Erneuerung und der Kreativität – für die Menschheit ebenso wichtig wie die biologische Vielfalt für die Natur ist. 1

Vielfalt ist wichtig!

Kulturelle Vielfalt wird als ein wichtiger Motor kulturellen Wandels betrachtet, als Weg zu einer erfüllteren intellektuellen, emotionalen, moralischen und geistigen Existenz 2

Vielfalt ... Postkästen in Rotterdam


Diversity als Konzept

Das Konzept Diversität hat seinen Ursprung in der Bürgerrechtsbewegung der USA, die gegen Rassismus gegenüber Schwarzen gekämpft hat. Diversität steht damit für die Herstellung von Chancengleichheit von Gruppen, die nach bestimmten Merkmalen benachteiligt werden.3 Daraus entstand in den USA das Antidiskriminierungsgesetz und die Affirmative Actions zur Förderung benachteiligter Gruppen (Rasse, Geschlecht, Hautfarbe, nationale Herkunft, Alter, Behinderung oder Religion).

Begegnung als Gleiche als Bildungsziel

Diversity als politischer Ansatz und Bildungsauftrag bedeutet Vielfalt, Heterogenität, Unterschiedlichkeit und bezieht sich auf die partizipative Anerkennung der Diversitäten von Menschen.

Geschlecht/Gender, sexuelle Orientierung, „Hautfarbe“, Alter, kulturelle Herkunft, zugeschriebene „Behinderung“, Klasse und vieles mehr gelten als Diversitykategorien bzw. Diversitydimensionen, aufgrund derer Menschen in positiver oder negativer Weise bestimmt werden, an gesellschaftlichen (ökonomischen, sozialen, kulturellen, institutionellen etc.) Ressourcen teilnehmen können oder davon ausgegrenzt sind. 4

Anders als im Diversity Managing oder Managing Diversity als Konzept in Unternehmen der Wirtschaft oder von Organisationen steht hier nicht die Profitmaximierung oder Begegnungskompetenz im Zentrum, sondern Social Justice. 5

Einfalt  &   Vielfalt


Diversitätsbewusste Bildung

Der Begriff der “diversitätsbewusste Bildung” ist inzwischen in der pädagogischen Fachdebatte und der internationalen Jugendarbeit weit verbreitet. Die Inhalte sind nicht neu und ähnliche Perspektiven werden auch unter den Begriffen „intersektionale Bildung“, „inklusive Bildung“, „diversitätsorientierter Ansatz“, „Umgang mit Heterogenität und Ambiguität“, „reflexives interkulturelles Lernen“ oder manchmal auch unter dem Begriff „interkulturelles Lernen“ oder transkulturelles Lernen gefasst.

Eine zeitgemäße Bildung muss Vielfalt in den Blick nehmen: die eigene Vielfalt, die Vielfalt der Anderen und die Vielfalt der alltäglichen Diskriminierungen.

Diversitätsbewusste Bildung hat sich für die Beschreibung von menschlicher Begegnung, Befremdungs- und Differnzerfahrung dem Begriff von Kultur entledigt. Im Fokus stehen Inhalte und Haltungen, die der Vielfalt und Komplexität neuer Identitätskonzepte Rechnung tragen.

Diversitätsbewusste Bildung  geht davon aus, dass die je eigenen Selbstverständlichkeiten, das Verhalten und Denken und die Art der Kommunikation einer Person nicht allein durch das Aufwachsen in einer konkreten Gesellschaft, sondern vielmehr durch das Zusammenspiel der eigenen Zugehörigkeiten zu einer Vielzahl von sozialen Kontexten und ‚Gruppen’ beeinflusst ist.

Insofern werden Differenzsituationen als komplexe Situationen verstanden. Auseinandersetzungen mit Differenz sollten entsprechend an konkreten Situationen ansetzen und Raum für die Selbsterklärungen der Beteiligten bieten. Bedeutsame Lernprozesse können also darin bestehen, die Prozesse der Herstellung von Differenz (in die wir alle permanenten verstrickt sind) bewusst zu machen und dazu zu ermutigen, komplexere Blicke aufeinander zu üben. 6


Materialien für die diversitätsbewusste Bildung

more than culture

 

MORE THAN CULTURE Diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit

Wunderbare Einführung von jugend für Europa zum Grundverständnis von Diversität, Vielfältige Zugehörigkeiten, Schubladen, Zuschreibungen und Diskriminierung und zur Einordnung von diversitätsbewusste Bildung im Kontrast zum klassischen interkulturellen Lernen

 

 

diversitätsbewusste (internationale) Jugendarbeit

 

Diversitätsbewusste (internationale) Jugendarbeit. Eine Handreichung

Gute Einführung in die verschiedenen Ansätze der diversitätsbewußten Jugendarbeit. Die Veröffentlichung von transfer e. V. ist besonders für die internationale Jugendbildung interessant, da hier zeitgemäße Ansätze und Praxiserfahrungen für eine diversitätsbewusste Bildungsarbeit aufgezeigt werden.

 


Literatur für die diversitätsbewusste Bildung

  • Lutz, Helma/Wenning, Norbert (Hrsg.): Unterschiedlich verschieden. Differenz in der Erziehungswissenschaft, Opladen 2001
  • Scholz, Ingvelde: Das heterogene Klassenzimmer. Differenziert unterrichten, 2012
  • Klippert, Heinz: Heterogenität im Klassenzimmer. Wie Lehrkräfte effektiv und zeitsparend damit umgehen können, Weinheim und Basel 2010
  • Wagner, Petra (Hrsg.): Handbuch Inklusion: Grundlagen vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung, Freiburg im Breisgau 2013
  • Wagner, Petra (Hrsg.): Handbuch Kinderwelten. Vielfalt als Chance – Grundlagen einer vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung, Freiburg 2008

Links

http://www.charta-der-vielfalt.de (wirtschaftspolitische Initiative des Diversitätsmanagements)


  1. UNESCO: Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt, 2001, Website der deutschen UNESCO-Kommission. Abgerufen am 21.April 2015
  2. UNESCO: Allgemeine Erklärung zur kulturellen Vielfalt, 2001, Website der deutschen UNESCO-Kommission. Abgerufen am 21.April 2015
  3. Dagmar Vinz, Katharina Schiederig, Gender und Diversity – Vielfalt verstehen und gestalten, im Band Gender und Diversity – Eine Einführung, S. 26/27, Wochenschau Verlag, Herausgeber: Peter Massing, 2010
  4. Vgl. Perko, Gudrun / Czollek, Leah Carola (2012): Social Justice und Diversity Training: Intersektionalität als Diversitymodell und Strukturanalyse von Diskriminierung und Exklusion, URL: www.portal-intersektionalität.de , Zugriff 21.10.2014
  5. Ebd.
  6. Winkelmann, Anne Sophie: More than culture. Diversitätsbewusste Bildung in der internationalen Jugendarbeit. Eine Handreichung für die Praxis