Einstellungsbildung

Die Bildung und Entwicklung einer relativ langfristigen Meinung oder Einstellung eines Menschen in Bezug auf bestimmte Personen oder Personengruppen nennt man Einstellungsbildung. Bekannter sind eher ihre Komponenten: Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung.

Einstellungsbildung von klein auf …

Von Klein auf versuchen Menschen andere Menschen einzuteilen und Einstellungen bei Babieseinzuschätzen. Schon Babys machen einen Unterschied. So zeigen Kinder schon im Krabbelalter eine Präferenz für Puppen bestimmter Hautfarben. Je nach Sozialisierung bevorzugen sie helle oder dunkle Puppen.

Zweijährige zeigen bereits Angst vor unbekannten körperlichen Merkmalen bei Fremden. So können Brillen, Behinderungen oder unbekannte Hautfarben die Kinder zu deutlicher Abneigung bewegen. Ab drei Jahren kennen Kinder sogar schon soziale Kategorisierungen (Junge/ Mädchen, Schwarz/Weiss …) und zeigen deutlich, dass sie die Eigengruppe vorziehen. In diesem Alter kann man dann schon vorurteilsähnliche Einstellungen beobachten. Hier spricht man von Vor-Vorurteilen.

7-9 Jährige ordnen sich dann schon Gruppen zu, um sich abzugrenzen. Sie erkennen Rassismus gegen die eigene Gruppe. 9-12 Jährige verstehen schließlich Scham & Stolz und verstehen auch Rassismus. Wir lernen als Kinder also nicht nur zu essen und zu gehen, sondern auch Menschen zu unterscheiden und zu kategorisieren.

Einstellungsbildung macht den Unterschied

Einstellungsbildung bezeichnet den personenbezogenen Lernprozess eines Menschen. Aufgrund unmittelbarer Erfahrung mit einer Person oder Personengruppe  oder aufgrund der Vermittlung durch andere Personen erwerben wir bestimmte Denk- und Wahrnehmungsmuster. Wir ordnen die Person in Kategorien ein und bilden Stereotype. Wir fühlen eine Zu-oder Abneigung, die sogenannten Vorurteile. Und schließlich verhalten wir uns dementsprechend in einer besonderen Art und Weise. Wohlmöglich diskriminieren wir. Durch die Einstellungsbildung erwerben wir scheinbar angebrachte Verhaltens-Möglichkeiten, sowie ein bestimmtes Beziehungsmuster bezüglich der Personen oder Personengruppen. Wir lernen also den Unterschied zu machen.
Einstellungen bestimmen unser Verhalten

Sich Einstellen

Letztlich soll uns die Einstellungsbildung helfen, uns auf alle möglichen Menschen in unserem Leben im wahrsten Sinne des Wortes einzustellen. Wie eine Funkfrequenz in einem Funkgerät eingestellt werden muss, damit eine Kommunikation zustande kommt, versucht auch das menschliche Gehirn sich auf das Gegenüber einzutunen, einzustellen. Die Einstellungsbildung ermöglicht uns damit im Normalfall einen adäquaten Umgang mit den vielen verschiedenartigen Mitmenschen, die uns umgeben.
Einstellungen helfen uns bei der Begegnung

Das Unterbewusstsein entscheidet

Im Alltag entscheidet zum Beispiel der berühmte „erste Eindruck“ über Sympathie und Antipathie. Innerhalb von einer Minute stellen wir fest, ob uns ein Mensch sympathisch oder unsympathisch ist. Das passiert aufgrund weniger Kriterien, die hoch automatisiert in unserem Gehirn verarbeitet werden: Wir beobachten blitzschnell Mimik, Gestik, Stimmlage und Körperhaltung unseres Gegenübers und sortieren.

Daraus ergibt sich sofort ein Gesamturteil: Der ist mir sympathisch, der unsympathisch und der ist mir völlig egal. Ich habe plötzlich eine Einstellung. Diese kann sich noch verändern, aber sie ist zunächst schneller als mein Bewusstsein. Zuerst entscheidet also mein Unterbewusstsein über meine Einstellung.
Einstellungen ermöglichen schnelle Urteile

Blitzschnelle Urteile

Wir brauchen weniger als hundert Millisekunden um Urteile über ein Gesicht zu fällen, das wir noch nie zuvor gesehen haben. Blitzschnell erscheint uns die Person vertrauenswürdig oder gefährlich. Die Urteile sind nicht immer korrekt, aber verdammt schnell. Die Urteile werden so schnell gefällt, dass der Verstand gar keine Chance zu einer Mitentscheidung hat. Menschen mit engstehenden Augen werden z.B.  eher gefährlich eingeschätzt, Menschen mit Babyface erscheinen harmlos, aber inkompetent. Auch wenn es uns selten bewusst ist, unsere Gesichtszüge bestimmen im ersten Augenblick, wie andere uns einschätzen.

Bei einem Experiment war es sogar möglich, den Wahlausgang einer Stichwahl nur über die Gesichter voraus zu sagen. Dazu wurden Testpersonen lediglich Bilder der ihnen unbekannten Politiker vorgelegt. Intuitiv entschieden die Probanden, wen sie wählen würden. Diese “intuitive Wahl” sagte den realen Wahlsieger bis zu 70%  genau voraus.
Einstellungen sind zunächst intuitiv

Die Macht des Gedächtnisses

Der erste Eindruck, unsere einmal gemacht Einstellung, ist sehr hartnäckig. Gerhard Roth, ein Neurowissenschaftler aus Bremen, bezeichnete des Gedächtnis als das wichtigste Sinnesorgan des Menschen. Denn statt mit den Augen, den Ohren und der Nase, nehmen wir das Meiste in unserer Umgebung durch unser Gedächtnis war. Roth geht davon aus, dass wir zu 99% das sehen, was wir bereits im Gedächtnis haben. Nur 1% kommt durch die aktuelle Wahrnehmung der Sinnesorgane hinzu. Nicht zu glauben? Dann machen sie einmal folgenden Test:

Hier wurde unsere Wahrnehmung getäuscht. Erinnerungen werden zu Erwartungen und blenden wesentliche neue Details und Fakten aus. Wenn sie dagegen einmal die Neuerung erkannt haben, werden sie sie immer wieder sehen.

Einstellungsbildung verstehen

Die Einstellungsbildung zu verstehen, hilft die Begegnungssituation besser zu verstehen, sich selbst besser kennen zu lernen und bewusster mit den eigenen Bildern und Zuschreibungen umgehen zu können. Daher sind auf den Unterseiten der Einstellungsbildung  jeweils Stereotype, Vorurteile und Diskriminierung in ihrer Eigenart und Wirkungsweise erklärt. Dazu gibt es dann noch eine umfangreiche Sammlung an Formen von Diskriminierungen.