Diskriminierung

Diskriminierung ist die konkrete Ungleichbehandlung und Benachteiligung von Menschen aufgrund von Vorurteilen und Kategorisierungen.

Diskriminierung als Handlungskomponente des Vorurteils

Generalisierte Überzeugungen und Meinungen nennen wir Stereotype. Vorurteile sind die darauf aufbauenden allgemeinen Bewertungen und gefühlsmäßigen Reaktionen, während die Diskriminierung dann die darauf folgenden konkreten Handlungen und Verhaltensweisen benennt. Die Stereotype sind im Bezug auf unsere Einstellungsbildung demnach die kognitive Komponente, die Vorurteile die emotionelle Komponente und die Diskriminierung ist die daraus folgende Handlungskomponente.

Einstellungsbildung, Stereotyp, Vorurteil und Diskriminierung

Zum Beispiel habe ich in meinem Kopf eine wilde Informationssammlung über „Hippies“. Je nach diesen Stereotypen, reagiere ich auf die Ankündigung, mein neuer Nachbar sei ein „Hippie“, mit positiven oder negativen Gefühlen. Von einer Diskriminierung könnte man dann sprechen, wenn ich ihn von Beginn an im Treppenhaus nicht Grüße, weil er in meinen Augen ein gefährlicher Chaot ist. Dieses Beispiel ist allerdings noch die harmloseste Form von Diskriminierung. Täglich werden Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe öfter von der Polizei kontrolliert, werden muslimische Frauen wegen des Tragens eines Kopftuchs beschimpft, erhalten Menschen mit Migrationshintergrund schwerer einen Mietvertrag, bekommen Frauen in Deutschland weniger Lohn für die gleiche Arbeit als Männer, oder werden Schüler aus sozial schwachen Familien bei gleichen Leistungen weniger Empfehlungen für das Gymnasium ausgesprochen usw.

Ungleichbehandlung

Das Wort Diskriminierung stammt von dem aus dem lateinischen Verb discriminare und bedeutet „trennen, absondern, abgrenzen, unterscheiden, eine Unterscheidung treffen“. Diskriminierungen sind also grob übersetzt Ungleichbehandlungen. Seit dem frühen 20. Jahrhundert bedeutet es mit negativer Bewertung „jemanden herabsetzen, benachteiligen, zurücksetzen“.

kategorische Benachteiligungen

Diskriminierung ist also im engeren Sinn die rein kategorische Benachteiligung von Personen aufgrund einer (meist negativen) Beurteilung oder Vor-(urteilung). Ausgangspunkt jeder Diskriminierung kann eine Bewertung von Menschen anhand von tatsächlichen oder zugeschriebenen gruppenspezifischen Merkmalen sein.

Diskriminierung kann sich offen ausdrücken in Beleidigungen und Übergriffen, aber auch beispielsweise bei der Vergabe von Stellen oder Wohnungen und dem Zugang zu Bildungseinrichtungen oder beim Entgelt. Diskriminierung geschieht entlang bestimmter Merkmale wie Herkunft, Sprache, sozialen Status, Geschlecht, Alter, Religion, Behinderung, sexuelle Orientierung usw. und wird durch entsprechende Ideologien gestützt (Rassismus, Sexismus, Antisemitismus usw.). Diskriminierung funktioniert nur in ungleichen Machtbeziehungen. Sie kann direkt sein, durch unmittelbare Äußerungen und Handlungen von Individuen oder indirekt und eingelassen in gesellschaftliche Strukturen (Institutionalisierte Diskriminierung).

Beispiele hierfür sind:

  • Geschlecht oder sexuelle Orientierung (Sexismus, Heterosexismus, Heterophobie, Homophobie)
  • Herkunft, Abstammung, Hautfarbe oder Ethnie (Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, übersteigerter Nationalismus, Chauvinismus, Abneigung gegen Asylbewerber)
  • Religion oder politische Anschauung (Christenverfolgung, Judenfeindlichkeit, Antimuslimischer Rassismus, politische Verfolgung)
  • körperliche oder geistige Fähigkeiten und körperliches Erscheinungsbild (Ableism, Behindertenfeindlichkeit, Lookism, Audismus)
  • soziale Herkunft, Sprache oder Alter (Klassismus, Altersdiskriminierung, Aduldtismus, Abwertung von Obdachlosen oder Lanzeitarbeitslosen)
  • etc. …
Diskriminierung ist gesetzlich untersagt

Racial Profiling ist eine Diskriminierungsform die offiziell verboten ist ...Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) will Benachteiligungen aus Gründen der/des

  • ethnischen Herkunft,
  • Alters,
  • Geschlechts,
  • sexuellen Identität,
  • Behinderung,
  • Religion oder der Weltanschauung

verhindern und beseitigen.

So ist z.B. auch “Racial Profiling”, also die Auswahl zur polizeilichen Untersuchung aufgrund von körperlichen Merkmalen (z.B. Hautfarbe) verboten, auch wenn es leider oft noch an Flughäfen, internationalen Grenzen und Bahnhöfen zu beobachten ist.

Gibt es gerechtfertigte Ungleichbehandlungen?

Nicht jede unterschiedliche Behandlung ist eine verbotene Benachteiligung. So kann eine Ungleichbehandlung durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt sein. Darunter fallen auch die sogenannten positiven Maßnahmen, d. h. Fördermaßnahmen zum Ausgleich bestehender Nachteile zum Beispiel für Frauen, z.B. in Form von Frauenquoten, oder das Vorrecht auf einen Sitz- oder Parkplatz für bestimmte Gruppen.
Grechtfertigte Diskriminierungfrauenparkplatz

Diskriminierungen sind miteinander verbunden

Diskriminierungstheorien wie die Intersektionalität gehen davon aus, dass sich verschiedene Diskriminierungsformen überschneiden und verstärken, bzw. in ihren Überschneidungen zu ganz neuen Diskriminierungen führen. Das Bielefelder Forschungsprojekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit geht davon aus, dass die verschiedenen Diskriminierungsformen ein Syndrom bilden, dem eine generalisierte Ideologie der Ungleichwertigkeit zugrunde liegt.1

Neben der Betrachtungsweise von Diskriminierung als individuellem Handeln wird in der Soziologie heute zusätzlich Diskriminierung als Diskriminierung durch Institutionen und Strukturen verstanden.

Strukturelle Diskriminierung

Unter struktureller Diskriminierung versteht man die Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen durch Strukturen der Gesellschaft. So sind in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft Frauen strukturell diskriminiert. Dass es kaum Frauen in den Führungsetagen deutscher Unternehmen oder als Rektoren von Universitäten gibt, liegt eben auch an der Art, wie der Nachwuchs rekrutiert wird und welche sichtbaren und unsichtbaren Auswahlmechanismen in den Unternehmen und Bildungseinrichtungen installiert sind.
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Institutionalisierte Diskriminierung

Institutionalisierte Diskriminierung ist die benachteiligende Ungleichbehandlung von Menschen oder Gruppen von Menschen durch Regeln und Routinen institutionellen Handelns, wodurch sie geringere Chancen beim Zugang zu oder bei der Inanspruchnahme von gesellschaftlichen Ressourcen haben (z.B. Bildung, Wohnraum, Dienstleistungen, Arbeit). Institutionalisierte Diskriminierung funktioniert auch ohne diskriminierende Absicht und wird immer auch von Individuen mitgetragen. Sie findet häufig in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen, beispielsweise im Bildungs- und Ausbildungssektor, dem Arbeitsmarkt, der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, dem Gesundheitswesen und der Polizei statt. Aber auch Erziehungs- und Bildungseinrichtungen sind Teil der gesellschaftlichen Verhältnisse. Gesellschaftliche Machtverhältnisse finden sich in den Strukturen von Kitas und Schulen, sie sind eingebaut in die Mechanismen ihres Funktionierens.

Oft werden institutionalisierte Diskriminierungen nicht wahrgenommen. Dass Gymnasien und Universitäten „Klassismus“ betreiben, gehört zu der Logik des Bildungssystems in dem sie agieren. Und das Bildungssystem ist wiederum Ausdruck von bestimmten Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft.

Dominanzverhältnisse oder Marginalisierungsprozesse, die als „normal“ und üblich gelten, können kaum als solche benannt oder skandalisiert werden. Die Ausgrenzung ist eingelassen in die gesellschaftlichen Strukturen, sie ist effektiv ohne direkte, persönliche rassistische Übergriffe oder Gewalttaten. Sie funktioniert „lautlos“ – aus der Sicht der dominierenden Gruppe. Weiße, heterosexuelle Männer, Mitte Dreißig, spüren wenig von diesen unsichtbaren Machtlinien, die wie „gläserne Decken“ in die Karriereleitern eingelassen sind. Aber fragen sie mal Frauen, Homosexuelle, People of Colour, Menschen mit Behinderungen oder ältere Menschen über Fünfzig, welche Erlebnisse sie bei der Jobsuche machen.


Literatur

 

Rebecca Pates, Daniel Schmidt (Hrsg.) (2010): Antidiskriminierungspädagogik. Konzepte und Methoden für die Bildungsarbeit mit Jugendlichen.


  1. Der Begriff „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ stammt von Wilhelm Heitmeyer, bezeichnet aber auch ein Forschungsprogramm zur Einstellungsbildung in Deutschland im Bezug auf die Verschränkung von Rassismus, Rechtsextremismus, Diskriminierung und Sozialdarwinismus, eine kurze Zusammenfassung der Langzeitstudie gibt es unter: https://www.uni-bielefeld.de/ikg/projekte/GMF/Gruppenbezogene_Menschenfeindlichkeit_Zusammenfassung.pdf