Rassismus ist eine sehr komplexe Macht- u. Diskriminierungsform.

Grundidee des Rassismus: Menschengruppen haben verschiedene Wertigkeiten aufgrund ihrer Herkunft bzw. äußeren Erscheinung. Der klassischer Rassismus hat biologische Unterschiede unterstellt und „Menschenrassen“ definiert und hierarchisiert.


Verbreitung des Rassismus

Rassistische Einstellungen in Deutschland laut Mitte Studie 2016:

  • Betonung von Vorrechten aufgrund eines Abstammungsrecht/Blutsrecht: 19 %
  • 13 % der Befragten meinen, die Weißen seien zu Recht führend in der Welt
  • Anteil der (klassisch) rassistisch eingestellten Personen liegt bei ca. 9 %.

Die biologische Begründung ist allerdings durch die Gentechnik lange wiederlegt und wird tatsächlich in der Mehrheit der deutschen Bevölkerung nicht mehr angenommen. Selbst rechte Bewegungen und Parteien, wie z.B. die NPD, hat diesen klassischen Rassismus jetzt durch eine subtilere, und damit aber auch sehr gefährliche neue Form ersetzt, den sogenannten kulturellen Rassismus.


Kultureller Rassismus

Bei dem kulturellen Rassismus, ist an die Stelle von „Rasse“ das Wort „Kultur“ getreten.

Es wird behauptet, dass bestimmt Gruppen z.B. „die Araber“, „Sinti- und Roma“, „Geflüchtete“ eine eigene, andere Kultur haben (die geringwertiger ist) und damit weniger Rechte beanspruchen darf, mit unserer Kultur unvereinbar ist und daher zurückgeführt werden muss. Bestimmte Lebensweisen/Traditionen werden also als unvereinbar miteinander behauptet.


Rassismus als Machtstruktur

Mark Terkessidis bemerkte : “Jeder der in Deutschland aufwächst hat rassistisches Wissen … “

Demnach ist Rassismus eine komplexe Einstellung und Machtstruktur, die im Kolonialismus entstanden ist und auch heute noch über Medien, Erziehung, Bildungseinrichtungen usw. bewusst oder unbewusst reproduziert wird.

Die meisten in Deutschland sind sich dessen aber nicht bewusst … die „Weißen“ (alle die das Privileg haben nicht von Rassismus betroffen zu sein) leben, so die Autorin Tupoka Ogette, in ihrem Buch “exit RACISM” einem „Happyland“ …

Happyland ist eine Welt, in der Rassismus das Vergehen der Anderen ist. Im Happyland wissen alle Bewohner*innen, dass Rassismus etwas Grundschlechtes ist. Rassismus ist NPD, Baseballschläger, Glatzen und inzwischen auch die AFD. […]

Hinzu kommt, dass man in Happyland davon ausgeht, dass Rassismus etwas mit Vorsatz zu tun hat. Damit man etwas rassistisch nennen kann, muss es mit Absicht gesagt oder getan worden sein. Eine Wirkung, die der Verursachende desselben nicht beabsichtigt hat, liegt entsprechend nur im Auge des Betrachters und der Verursachende trägt keinerlei Verantwortung dafür.”1

Spezialformen des Rassismus sind: Gajet-Rassismus / Rassismus gegen Sinti und Roma, Antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus.


Rassistische Diskriminierungen

Die Wirkung einer Aussage oder Handlung ist ausschlaggebend dafür, ob etwas rassistisch ist oder nicht! Gerade die stetigen, sich wiederholenden, scheinbar harmlosen kleinen Bemerkungen, Blicke, Diffamierungen kratzen immer wieder die gleiche Stelle, bis eine blutende Wunde entsteht. Oft wundern sich dann die Privilegierten, warum die Betroffenen so stark reagieren…, “war ja nicht so gemeint…”

Die sogenannten Mikroagressionen kann man sich als kleine Mückenstiche vorstellen, einzeln unangenehm aber nicht erwähnenswert. Aber wenn man jeden Tag und immer und immer wieder von Mücken gestochen wird, beeinträchtigt dass das Leben enorm, macht auch kleine Blicke und Bemerkungen unerträglich.

Studien des Harvard-Centers fanden z.B, heraus, dass Rassismuserfahrungen, die offenen, aber auch die subtilen zu extrem negativen Stressbelastungen führen können. Über längere Zeit können Depressionen und Autoimmunkrakheiten begünstigt werden und zu psychischen Unwohlsein führen.

Da Mikroagressionen nicht absehbar sind und in allen Bereichen des Lebens plötzlich auftauchen können, befinden sich viele Betroffene in einem permanenten Zustand der Vorsicht „racial stress“ genannt. Studien belegen, dass die Auswirkungen von Mikroagressionen im Alltag zu den gleichen Symptomen und Belastungen führen können, die auch von posttraumatischen Belastungsstörungen hervorgerufen werden.

Hier ein paar kleine, aber sich ständig wiederholende rassistische Mückenstiche, die Deutsche erleben, weil sie rein äußerlich als „anders“ betrachtet werden …

#auchichbindeutschland (Bilder)

 

Bei der Wohnungs- oder Jobsuche müssen sich schwarze Menschen und People of Colour, Menschen mit Fremderscheinenden Namen, alle die als anderes“ gelesen werden, bei einer Ablehnung fragen, habe ich Wohnung oder Job nicht bekommen, weil ich schwarz bin?

Aber auch Rassistische Gewalt steigt in den letzten Jahren wieder drastisch an.

2015 wurden 13.846 einschlägige rassistische Straftaten registriert. 2016 über 1000Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte.


Literatur zu Rassismus
  • Susan Arndt: AfrikaBilder: Studien zu Rassismus in Deutschland, Unrast 2006
  • Susan Arndt: Die 101 wichtigsten Fragen – Rassismus, Becksche Reihe, 2012
  • Susan Arndt; Nadja Ofuatey-Alazard (Hrsg.): Wie Rassismus aus Wörter spricht. (K)Erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk, Unrast 2011
  • Noah Sow: Deutschland Schwarz Weiß, Goldmann 2009
  • Tupoka Ogette: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen, Unrast 2017
  • Wulf D. Hund: Wie die Deutschen weiß wurden. Kleine (Heimat)Geschichte des Rassismus, Metzler 2017
  • María do Mar Castro Varela, Paul Mecheril (Hrsg.): Die Dämonisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart,  transcript 2016
  • Annita Kalpaka, Nora Rätzel, Klaus Weber (Hrsg.): Rassismus. Die Schwierigkeit, nicht rassistisch zu sein, Argument Verlag 2017
  • Elina Marmer, Papa Sow (Hrsg.): Wie Rassismus aus Schulbüchern spricht. Kritische Auseinandersetzung mit »Afrika«-Bildern und Schwarz-Weiß-Konstruktionen in der Schule – Ursachen, … Handlungsansätze für die pädagogische Praxis, Beltz 2015

Texte zu Rassismus

Materialien zu Rassismus

Webseiten zu Rassismus

Anti-Rassismustrainings

Blogeinträge zu Rassismus

  1. Tupoka Ogette: exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen, Unrast 2017