Liebe ist gefährlich transkulturell

Neulich in Israel: Ein Roman, der eine Liebesaffäre zwischen einem palästinensischen Künstler und einer israelischen Übersetzerin beschreibt, darf nicht Schullektüre werden. Die Behörden haben den Liebesroman aus der Liste empfohlener Schullektüren gestrichen. Die Begründung: “Die Erzählung greift das Motiv unmögliche, verbotene Liebe auf. Jugendliche aber neigen zur Romantisierung und sind meistens nicht imstande, die Dinge von allen Seiten so zu betrachten, dass sie auch Aspekte wie die Bewahrung der Volksidentität und die Folgen einer Assimilation bedenken.“ Die zuständige Beamtin beruft sich darauf, dass intime Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden von “breiten Kreisen” in der israelischen Gesellschaft als Bedrohung ihrer Identität gesehen würden.

Liebe ist gefährlich für Grenzdenker

Was zeigt uns das? Liebe ist gefährlich für Volkstümelei! Liebe missachtet einfach die kruden Grenzen nationalstaatlicher Identitätskorsette und die Bemühungen bildungspolitisch geplanter Differenzbildung. Liebe ist Sprengstoff für schön gedachten Reinheitswahn. Liebe verbindet, was Macht zu trennen gedenkt.

Liebe ist Durchdringung

Liebe ist das Gegengift gegen Chauvinismus, othering, Kulturalisierungen, Vorurteile und begrenztes Denken. Liebe wirkt damit transkulturell. Liebe durchdingt und verbindet. Liebe ist farbenblind und kümmert sich nicht um Genderkonstruktionen. Küssen kann man quer zu Sprachgrenzen und Altersschichten, eine Umarmung verbindet Religionen und körperliche Fähigkeiten. Liebe  dreht die kulturellen Konstruktionen ineinander, wie Zungen beim Zungenkuss. Liebe verschmilzt und durchdringt. Liebe ist grenzenlos offen …

Bewirkt hat das Verbot des Liebesromans, dass nun Schullehrer in Israel mit ihren Schülern über das Buch diskutieren wollen. Außerdem sind die Verkäufe des Romans sprunghaft gestiegen. Das israelische Szene-Magazin “Time Out Israel“ hat dafür als Protest ein Zwei-Minuten-Video von küssenden jüdisch-arabischen Paaren veröffentlicht. So soll es sein!

Liebe ist einfach stark! Und davor haben nationalistische Regierungen eben Angst.