Verortung statt Herkunft

VIDEO-VORTRAG: Die Frage „Wo kommst Du her?“ fragt uns nach einer nationalen Zugehörigkeit. Und allzu oft sagt sie Menschen gleichsam „Du bist doch nicht von hier!“

Taiye Selasi fordert in ihrem TED-Talk „Don’t ask where I’m from, ask where I’m a local“! Sie stellt damit der veralteten und allzu einfachen Kategorisierung menschlicher Identität eine neue Frage entgegen. Sie schlägt vor, statt nach Herkunft, nach der „Verortung“ eines Menschen zu fragen.

Denn die Frage nach der Herkunft, sucht nach Einordnung und folgt fast immer einer veralteten Logik. Es ist die Logik von einer einzigen Herkunftsnation, die uns prägt und mit der wir in einen Topf geworfen werden können. Verortung dagegen fragt nicht in Staaten oder geografischen Einheiten, sondern nach einem Gefühl der Zugehörigkeit.

Verortung

Verortung versteht Selasi als die Frage nach dem, was den Menschen tatsächlich ausmacht, was ihn prägt und wo er sich heimisch fühlt. Damit ist nicht unbedingt eine Nation gemeint, sondern Beziehungen, Rituale und Beschränkungen. Die drei „R’s“ (relationships, rituals und restrictions) sind für Selasi ein guter Test, sich selbst zu verorten. Folgende Fragen kann man sich dabei stellen:

  1. Welche Menschen, Gruppen oder Beziehungen prägen mich? Welche Personen machen meine alltäglichen emotionalen Erlebnisse und Kommunikationen aus?
  2. Welche täglichen Rituale habe ich? Wofür stehen sie und mit wem und welchen Menschen auf der Welt teile ich sie?
  3. Welche Einschränkungen erlebe ich? Werden mein Wille, meine Fähigkeiten und meine Bewegungsfreiheit eingeschränkt? Werde ich in meinem Alltag durch Rassismus oder andere Einstellungen benachteiligt, diskriminiert oder verletzt?

Während die ersten beiden Fragen direkt fragen, wo ich mich verorte, fragt die letzte, warum ich vielleicht auch nicht woanders bin oder sein kann.

Pädagogische Verwertung

Der 16 minütige Vortrag eignet sich sehr gut, um die herkömmlichen Ordnungskategorien von nationaler Herkunft und die Prämisse der Primärkollektivität zu thematisieren. Nach dem Video-Vortrag können dann die Teilnehmer_innen mit Hilfe eines Arbeitsblattes die eigene Verortung überdenken. Danach geht es dann in den Austausch in Kleingruppen (3-4 Personen), bevor die Gruppe sich dann im Plenum wiedertrifft. Dort kann dann neben einem moderierten Austausch auch Wissen vermittelt werden, z.B. über Identität, den neuen Kulturbegriff oder über Machtstrukturen, Diskriminierung und Rassismus.

 

Arbeitsblatt zum Video: http://kulturshaker.de/wp-content/uploads/2015/11/arbeitsblatt_dont-ask-where-im-from-ask-where-im-a-local.pdf

 

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