Weltgeschichte als Geschichte der Macht

Der Soziologe Michael Mann untersucht in seinem Werk „Die Geschichte der Macht“ die Weltgeschichte nicht nach Zivilisationseinheiten, Völkern, Staaten, Nationen. Ja, wenn es nach ihm ginge, hätte er sogar den Begriff der Gesellschaft abgeschafft. Seine Begründung ist einfach: „Staat, Kultur und Wirtschaft sind je einzeln ohne Zweifel wichtige strukturbildende Sozialzusammenhänge, aber sie gehen fast niemals ineinander auf, sind nicht deckungsgleich. Es gibt keinen einzelnen Hauptbegriff, keine Grundeinheit, in dem sich Gesellschaft‘ adäquat fassen ließe. Gesellschaften bestehen, so Mann, vielmehr aus sich überlagernden und überschneidenden Netzwerken ökonomischer, militärischer, ideologischer und politischer Macht.

Eine allgemeine Beschreibung von Gesellschaften, ihrer Struktur und ihrer Geschichte, lässt sich, so Mann, am besten als Analyse der Wechselbeziehungen zwischen diesen Machtgeflechten vornehmen. Die zentralen Fragen des Autors an die Geschichte betreffen daher Organisation, Kontrolle, Logistik und Kommunikation. Chronologisch untersucht er Fähigkeit und Vermögen Menschen, Materialien und Territorien zu organisieren und zu kontrollieren, sowie die Entstehung und Entwicklung dieser Fähigkeiten im Lauf der Geschichte.

„Die Geschichte der Macht“ beschreibt, wie in den alten Reichen, bei Sumerern, Persern und Römern, kleine lokale Interaktionsnetze eingebunden waren in weite Machtgeflechte eines fernen Staates, während gleichzeitig, über die Reichsgrenzen hinaus, weitreichende Handels- und Kulturnetze ganze Weltregionen mit ökonomischen und ideologischen Ordnungsstrukturen überspannten. Da die Menschheit für Michael Mann nicht in eine Vielzahl von abgeschlossenen Gesamtheiten aufgespalten ist, betrachtet er die „Geschichte der Macht“ als eine universelle Entwicklungsbeschreibung sozialer Organisationsformen.

„Die Geschichte der Macht“ ist damit gleichsam ein Beitrag zur soziologischen Theorie als auch eine Interpretation der Weltgeschichte. Das Werk zeigt auf, wie “Globalgeschichte” jenseits von traditionellen Interpretationsmustern der menschlichen Organisationsstrukturen in Kultur- oder Staatengruppen aussehen kann. mindtwisting!

  • Mann, Michael, Die Geschichte der Macht. Erster Band, Von den Anfängen bis zur griechischen Antike, Frankfurt am Main 1990
  • Mann, Michael, Die Geschichte der Macht. Zweiter Band, Vom Römischen Reich bis zum Vorabend der Industrialisierung, Frankfurt am Main 1991
  • Mann, Michael, Die Geschichte der Macht, Dritter Band – Teil 1, Die Entstehung von Klassen und Nationalstaaten, Frankfurt am Main 1998 und Mann, Michael, Die Geschichte der Macht, Dritter Band – Teil 2, Die Entstehung von Klassen und Nationalstaaten, Frankfurt am Main 2001