Die Website thetruesize.com zeigt spielerisch, wie stark gebräuchliche Weltkarten die Flächengrößen von Ländern verzerren und macht wahre Größenverhältnisse sichtbar. Damit bietet die Webseite eine gute Möglichkeit, Kartenprojektionen zu thematisieren – allen voran Mercator und Petersprojektion, die unterschiedliche Ziele verfolgen und deshalb zu sehr verschiedenen Weltbildern führen.
Was „The True Size Of“ macht
„The True Size Of“ ist ein interaktives Kartentool auf Basis moderner Online‑Karten, mit dem sich Länderumrisse verschieben und vergleichen lassen. Nutzerinnen und Nutzer geben ein Land ein, ziehen dessen Umriss über andere Regionen und sehen sofort, wie groß es im Vergleich in Wirklichkeit ist.
Typische Aha‑Momente:
- Afrika ist viel größer als es auf vielen Schulwandkarten wirkt, und übertrifft Europa deutlich.
- Grönland schrumpft, sobald man seinen Umriss in Richtung Äquator zieht und wird kleiner als viele große Staaten Afrikas wie etwa Algerien.
- Länder in der Nähe des Äquators wirken auf herkömmlichen Karten unterproportional, erscheinen aber im Tool in ihrer tatsächlichen Flächendimension.
So wird unmittelbar sichtbar, wie sehr Kartenprojektionen unser politisches und geografisches Weltbild prägen.

Warum Weltkarten grundsätzlich verzerren
Die Erde ist (näherungsweise) eine Kugel – eine gewölbte Oberfläche lässt sich nicht ohne Verzerrung auf ein flaches Rechteck übertragen. Jede Projektion muss entscheiden, was möglichst korrekt bleiben soll:
- Flächen (Flächentreue)
- Winkel und Richtungen (Winkeltreue)
- Abstände (Längentreue)
Warum die Mercator-Projektion die Größenverhältnisse verzerrt
Die bekannte Mercator-Projektion wurde im 16. Jahrhundert für die Navigation entwickelt und stellt Winkel besonders zuverlässig dar, wodurch Schiffsrouten als Gerade geplant werden können. Dafür werden Flächen mit zunehmender Entfernung vom Äquator immer stärker vergrößert: Regionen in hohen Breiten wie Europa, Nordamerika oder Russland erscheinen riesig, während tropische Regionen wie Afrika oder Südamerika im Verhältnis geschrumpft wirken.
Konsequenzen dieser Verzerrung:
- Grönland wirkt auf vielen Wandkarten ungefähr so groß wie Afrika, ist real aber deutlich kleiner als einzelne afrikanische Staaten.
- Europa und Nordamerika dominieren optisch die Karte, obwohl die Länderfläche vieler Staaten des globalen Südens mindestens ebenso groß oder größer ist.
Karten sind deshalb nie ein „neutrales Abbild“, sondern immer auch eine Entscheidung darüber, was wichtig ist – und damit potenziell politisch und kulturell aufgeladen.
Die Idee der Petersprojektion
Die Peters- oder Gall‑Peters-Projektion wurde populär, um ein Gegengewicht zur eurozentrischen Sicht klassischer Weltkarten zu schaffen. Ihr Kernversprechen: flächentreue Darstellung – alle Länder sollen in ihren relativen Flächen korrekt wiedergegeben werden.
Wesentliche Merkmale:
- Flächentreue: Gleiche Flächen auf der Erdoberfläche nehmen auf der Karte dieselbe Fläche ein, unabhängig von der Lage zum Äquator.
- Der Äquator liegt mittig, Breitengrade und Längengrade erscheinen als rechtwinklige Linien, wodurch sich Länder sehr direkt vergleichen lassen.
- Formen werden gestreckt: Regionen in Äquatornähe wirken länglich, in hohen Breiten „zusammengedrückt“, was die Umrisse ungewohnt erscheinen lässt.
Peters betonte den gleichberechtigten Blick auf den Globus, weil insbesondere Afrika, Südamerika und große Teile Asiens in realistischer Größe erscheinen und nicht mehr optisch gegenüber Europa und Nordamerika verkleinert werden. Fachlich ist die Petersprojektion jedoch nicht „perfekt“: Auch hier gibt es Formverzerrungen, und Fachgesellschaften weisen darauf hin, dass es andere flächentreue Projektionen mit geringeren Formfehlern gibt.
Wie „The True Size Of“ dieses Problem greifbar macht
Die Webseite „The True Size Of“ knüpft genau an diese Debatte an und übersetzt sie in ein leicht verständliches, visuelles Erlebnis. Statt abstrakt über Projektionen zu sprechen, erlaubt das Tool einen unmittelbaren Größenvergleich.
Damit wird das, was die Petersprojektion flächentreu zeigen will, dynamisch erfahrbar: Die wahre Größe eines Landes hängt nicht davon ab, wie es auf einer bestimmten Karte gezeichnet ist, sondern von seiner Fläche auf dem Globus – und genau diese Relation macht thetruesize.com sichtbar.
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